Im Januar 1412, möglicherweise am 6., wurde Jeanne d'Arc als Tochter der Bauersleute Jacques d'Arc und Isabelle Romée in Domrémy, Lothringen, geboren. Selbst nannte sie sich Jehanne la Pucelle, fille de Dieu.
Sie kam in eine schwierige Zeit: seit 1337 tobten im Reich eine Anzahl von Kriegen, eingegangen in die
Geschichte als 100jähriger Krieg. Das Gebiet nördlich der Loire und die Küste bei Bordeaux waren von den
Engländern besetzt, die mit den Burgundern paktierten.
Um die Thronfolge herrschte ein Streit, und der Dauphin Karl VII regierte den unbesetzten
Teil Frankreichs von Chinon aus.
Auch gab es eine Legende, nach der das Land durch eine Frau zugrundegerichtet und eine Jungfrau
errettet würde.
Anno 1424 hörte Jeanne erstmals eine Stimme, die von Gott kam, um sie zu leiten. Seither erschienen ihr
wiederholt der Erzengel Michael, die Heilige Margareta und die Heilige Katharina.
Durch die Visionen fühlte sie sich berufen, Frankreich von den Engländern zu befreien.
Im Mai 1428 zog sie zu ihrem Vetter Durand Laxart, den sie als ersten von ihrer Mission
überzeugte. Doch eine Unterredung mit Robert de Baudricourt, dem Hauptmann von
Vaucouleurs, verlief negativ.
Ihre Hartnäckigkeit überzeugte Bürger (die ihr sogar Männerkleidung für die Reise besorgten), und
schließlich blieb Baudricourt nichts anderes übrig, als sie mit einer 6-Mann Eskorte nach Chinon
ziehen zu lassen.
Am 06.03.1429 wurde Jeanne vom Dauphin empfangen. In einem Gespräch unter vier Augen, über dessen
Inhalt nie etwas bekannt wurde, gewann sie sein Vertrauen.
Zur Absicherung gegenüber der Geistlichkeit wurde sie in Poitiers einer Prüfung unterzogen. Das
Urteil besagte, daß man nur Gutes an ihr gefunden habe.
Am 07.10.1428 hatte die Belagerung von Orléans (ein äußerst wichtiger Brückenpfeiler) begonnen, und die
Zeit drängte.
Neu gerüstet traf sie in Blois zum französischen Heer. Ihr Stand war schwer, da der Generalstab ihre
Beteiligung an der Planung ablehnte.
Am 29.04.1429 rückte sie mit einem Heeresteil und Nahrung durch das noch freie Burgund-Tor in Orléans ein.
Eine friedliche Lösung des Krieges scheiterte.
Es ist unzweifelhaft, wer die Armee begeistern konnte, ansonsten hätte sie keine Eigeninitiativen
ergreifen können.
Nach einigen Siegen wurde schlußendlich auch die Festung Les Tourelles zurückerobert, wobei sie von einem
Pfeil verletzt wurde. Somit war der Weg über die Loire wieder frei, und am 08.05.1429 wurde die
Belagerung aufgehoben.
In der nachfolgenden Zeit räumte Jeanne mit einem Heer, das neuen Mut gefaßt hatte, den
Weg frei nach Reims. Anschließend begleitete sie die königlichen Truppen dorthin, wobei vor Troyes
wieder ihre Intuition gefragt war.
Am 17.07.1429 wurde Karl VII in der Kathedrale von Reims zum legitimen König von
Frankreich gekrönt.
Verrat war Jeanne's größte Furcht. Auf Betreiben einiger ihrer Gegner am Hof strebte der König eine
Versöhnung mit Burgund an, womit eine Rückeroberung von Paris unterbunden wurde. Als sie im
September dennoch angriff, wurde sie unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Daraufhin
wurde des Heeres Großteil aufgelöst.
In der nachfolgenden Zeit beschäftigte man Jeanne mit Feldzügen, die keine guten
Aussichten hatten. Bei einem Rückzug nach Compiègne wurden vom Hauptmann die Stadttore
geschlossen, bevor sie selbst hineingelangte; so kam sie am 23.05.1430 in burgundische
Gefangenschaft.
Für eine Geldsumme von 10000 Franken wurde sie an die Engländer ausgeliefert und nach Rouen
überführt, wo am 09.01.1431 der Inquisitionsprozeß unter Pierre Cauchon, dem Bischof von
Beauvais, begann.
Obwohl, entgegen kirchlichem Recht, ohne Rechtsbeistand und zudem erst 19 Jahre alt ohne juristischem
Wissen verteidigte sie sich äußerst wortgewandt. Gekettet, mit Fußfesseln, von den Wachen verspottet,
blieb sie ihrer selbst treu und trat mutig und furchtlos ihren Anklägern gegenüber.
Da man keinen Hauptanklagepunkt finden und auch sonst keines Vergehens habhaft werden konnte nahm der
Umstand des Tragens von Männerkleidung immer breiteren Raum ein. Schließlich führte dieser zu
ihrer Verurteilung und Verbrennung bei lebendigem Leib auf der Place du Vieux Marché in
Rouen am 30.05.1431.
Wie von Jeanne prophezeit wurden die Engländer aus Frankreich vertrieben. 1437 zog Karl VII in Paris ein,
und 1453 wurde der 100jährige Krieg beendet.
1450 wurde der Inquisitionsprozeß wieder aufgerollt und am 07.07.1456 feierlich
als nichtig erklärt.
Ihre Heiligsprechung erfolgte am 16.05.1920 durch Papst Pius X.
Zur Heeresleitung:
"Im Namen Gottes, der Rat Gottes ist sicherer und klüger als der Eure. Ihr habt geglaubt,
Ihr könntet mich täuschen. Aber Ihr habt Euch selbst getäuscht, denn ich bringe Euch bessere
Hilfe als je ein Hauptmann oder eine Stadt erhalten hat."
Im Inquisitionsprozeß:
"Ich schwöre, die Wahrheit zu sagen auf Fragen nach meiner Herkunft und nach allem, was ich tat,
seit ich nach Frankreich kam. Was aber meine göttlichen Offenbarungen angeht, so habe ich
darüber nie gesprochen, noch sie irgend jemandem außer Karl, meinem König, anvertraut. Und wollt
Ihr mir den Kopf abschlagen, so würde ich nicht davon reden können, denn meine Stimmen haben es
mir untersagt."
"Noch ehe sieben Jahre um sind, werden die Engländer mehr verlieren als vor Orléans, denn sie
werden ganz Frankreich verlieren..."
"Wahrhaftig, selbst wenn Ihr mir die Glieder brechen und die Seele vom Leibe trennen würdet, ich
könnte Euch nichts anderes sagen. Und würdet Ihr mich zu reden zwingen, ich würde immer sagen, daß Ihr mich
durch Gewalt zum Reden gebracht."
"Ich werde nichts anderes antworten als das, was ich denke, doch das, was ich antworte, wurde mir von meinen
Stimmen aufgetragen; sie befehlen mir nicht, daß ich der Kirche gehorche, sondern an erster Stelle Gott."
"Ich habe sie angezogen, weil es dienlicher und ziemlicher ist, wie ein Mann gekleidet zu sein denn wie eine
Frau, da ich ja mit Männern zusammen bin; ich habe sie wieder angezogen, weil man sich an das, was man mir
versprochen hat, nicht gehalten hat, nämlich, daß ich zur Messe ginge und den Leib Christi empfinge, und
daß man mir die Fußeisen abnehme."
Auf die Frage "Seid Ihr gewiß, Johanna, im Stande der Gnade zu sein?" die Antwort:
"Wenn ich es nicht bin, möge Gott mich dahin bringen, wenn ich es bin, möge Gott mich
darin erhalten! Denn ich wäre der traurigste Mensch auf Erden, wenn ich mich nicht in der Gnade Gottes wüßte."