"Guten Morgen, Zacharias.
Ich bringe dir die Bücher zurück, die ich ausgeliehen habe."
"Oh, ja, hallo, grüß dich Marco.
Leg die doch drüben auf den Beistelltisch."
"Sinnierst du etwa wieder über die Sterne?
Oder brütest du wieder eine deiner abstrusen Ideen aus?"
"Ich hab vor, einen neuen Roman zu schreiben.
Und dafür denk ich mir eine Gesellschaftsform aus, in welcher eine Handvoll Leute die ganze Welt beherrschen."
"Nun ja, wenn sie weise Entschlüsse fassen, kann ich mir das schon vorstellen. Aber bei unsinnigen oder gefährlichen Befehlen würde ihnen doch bestimmt niemand gehorchen."
"Sooo einfach ist es wieder auch nicht. Zuerst brauchst du ein Druckmittel, das die Menschen benötigen, aber nicht frei erhalten."
"Willst du etwa die Nahrungsausgabe sperren?
Die Bewacher wären schön blöd, würden sie sich für so was hergeben und selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen."
"Na gut, ich erklär's dir.
Wie du weißt haben wir Güterverkehr: wir hier verteilen unsere Textilmode, Zitrusfrüchte und einiges mehr in der Welt; und aus anderen Gebieten erhalten wir beispielsweise Metalle, Kristalle, undsofort.
Indem du nun allen Dingen einen bestimmten Wert zuschreibst und einen gleichwertigen Austausch entfachst, am besten vermittels eines einfachen Dokuments, für das ein bestimmter Wert gilt - nennen wir es einfach Gelt -, hast du einen völlig geregelten Warenverkehr.
Dann brauchst du nur noch jeder Arbeit auch einen bestimmten Wert zumessen, und schon hast du einen Haufen Menschen, die erst arbeiten müssen, um dann mit dem Gelt Nahrung und Anderes holen zu können.
Diejenigen, die kontrollieren, müssen natürlich mehr Gelt erhalten als die Masse, damit sie die Sache unterstützen, wenn sie ihr Leben in Luxus weiterführen wollen. Und die Masse muß so kurz gehalten werden, daß sie gerade nicht verhungert und auch ein paar Freuden hat."
"Aber was ist mit den Leuten, die nicht arbeiten können?"
"Die Alten sind eh in der Minderheit und meist schwach, die Kranken sowieso. Ein paar Almosen lassen sich sicher erübrigen.
Wichtig ist aber auch die Ahndung nach Straftaten - denn diese Gesellschaft verleitet natürlich zum Rauben. Und die Strafe muß wie eine Ächtung wirken, damit sie gefürchtet wird. Vor allem die kleinen Leute, die Brot stehlen um zu überleben, müssen hart bestraft werden, um ordentlich abzuschrecken.
Was glaubst du, was die Menschen alles machen würden, aus Angst, mit ihrer Familie nur ja friedlich weiterleben zu können?
Vor allem, wenn gleichzeitig auch ihre ethischen Grundsätze zerstört werden?"
"Ich kann mir nicht vorstellen, daß mir diese Gesellschaft behagen würde. Wo bleibt denn die ganze Freude an der Arbeit mit all dieser Angst im Hinterkopf?
Und womöglich kann ich nicht einmal frei entscheiden, was ich machen will!"
"Darauf könntest du wetten.
Und als Steigerung könnte man Gelt auch ausleihen, da sowieso überwiegend Mangel herrschen wird, und mit hoher Wertsteigerung zurückverlangen; dies würde dir wahrlich viel Einfluß bescheren, während du schläfst."
"Nicht auszudenken diese Sklaverei. Da lob ich mir wirklich unsere wertaustauschfreie Gesellschaft, auch wenn man manche Dinge nicht oder gebraucht bekommt."
"Ja, dafür ist aber die Freiheit unser.
Hingegen meine fiktive Zivilisation kann sogar bis zur totalen Erdzerstörung führen, da die meisten nur auf den Erwerb von Gelt sehen.
Aber der geplante Roman soll ja nur als abschreckende Geschichte dienen."