In meiner Kind- und Jugendzeit hatte ich immer große Angst (fast Panik)
an Abgründen, die doppelt so hoch wie ich waren. (Es könnte damit zusammenhängen,
daß in meiner pränatalen Phase meine Mutter durch den Boden brach und in den
Keller fiel; wir überlebten es.)
Später, nach Änderung einiger Lebenseinstellungen und Konfrontation mit
meinen Ängsten, absolvierte ich einen Kletterkurs und in weiterer Folge
machte ich eine Fallschirmspringer-Ausbildung mit. (Insofern betrachtete
ich sie eher als Therapie denn als Freizeitvergnügen.)
Die Flugverkehrsregeln und -gesetze, sowie die Handhabung der Ausrüstung
und Geräte lege ich hier nicht dar, das ist Aufgabe einer Schule.
Ich vermittle nur einige persönliche Eindrücke.
Der praktische Ausbildungteil fand jeweils am Flughafen Trausdorf (Burgenland)
statt (aufgrund begünstigter Lage bezüglich Wetterverhältnisse).
Und wirklich waren beide Wochen voll herrlichstem Sonnenschein.
(Jedesmal wenn ich bei heiterem Wetter eine Turbomaschine höre kommt eine
angenehme Assoziation zum Flugplatz hoch.)
Die ersten 10 Sprünge wird der Fallschirm direkt vom Flugzeug geöffnet,
einerseits um einen an die Luft zu gewöhnen (da ein sofortiger freier Fall
bei jemand eine Panikreaktion auslösen könnte und er die Reißleine zu ziehen vergißt),
andererseits konnten wir uns Praxis im Umgang mit dem Gleitflug aneignen.
Ich hatte das Glück, in einer Schule zu trainieren, die von Anfang an
mit Flächengleitern schulte.
Diese reckteckigen, vom Aussehen den Hängegleitern ähnlichen aber weitaus
stabileren Schirme, lassen sich durch das Auftriebsprinzip bei mehr bzw.
weniger schräggestellten Tragflächen sehr gut steuern, dodaß man nicht
"vom Winde verweht" wird (bis zu einer Grenze von etwa 40 km/h, da der
Schirm nicht mehr Vorwärtsfahrt bringt).
Auch kann man durch einen Auftriebsschub kurz vor der Landung bewirken,
daß man regelrecht so leicht wie "auf Daunen" gehend landen kann.
(Die nur schwer steuerbaren Rundkappenschirme "stampfen" einen doch ziemlich
in den Boden.)
Die ersten Sprünge mit kurzem freien Fall, bei denen man den Schirm von
Hand selber öffnet, war die schwierigste Phase.
Ein einziger Schulungsteilnehmer war dabei, der von Anfang an in einer stabilen
Lage mit Blick nach unten fiel,
ansonsten merkten wir anderen, daß das Gesäß wohl der schwerste Körperteil ist.
Fünf Sprünge lang erblickte ich im Fallen nur den Himmel, ohne den Erdboden
als Bezug zu sehen, was doch ziemlich nervig war.
Zum anderen kommt hinzu, daß man durch eine ungleichmäßige Körperhaltung sofort
ins Rotieren und Trudeln kommt, was sich beim Öffnen des Schirms ziemlich
verhängnisvoll auswirken kann.
Nach einigen weiteren Sprüngen mit kurzem freien Fall hatte ich mir die richtigen
Körperreaktionen angeeignet um diese Probleme zu vermeiden.
Auch gewöhnte ich es mir an, den Kopf im Augenblick des Öffnens Richtung Fallschirm
zu heben, was eine deutliche Entlastung meiner inzwischen beanspruchten
Halsmuskeln bedeutete, und außerdem eine Kontrolle war, ob sich die Öffnung
in richtiger Weise vollzog.
Es folgten Sprünge aus größerer Höhe, und man hatte einen großartigen
Ausblick, weit nach Ungarn hinein.
Aus 4000 m hat man einen freien Fall von einer ganzen Minute, und nach den
anfänglichen Problemen kann man nun das ganze "genießen".
Lustig war auch, wenn man auf eine kleine Wolke zusteuerte und durch sie
hindurchfiel.
Natürlich war auch jeder bestrebt, wenn schon nicht in der exakten Mitte, so doch
im Zielkreis selbst zu landen.
(Es soll schon vorgekommen sein, daß eine leichtgewichtige Person durch den
verstärkten Aufwind wegen größerer Sonnenreflexion über dem Schotterkreis dort
längere Zeit in der Luft "gehangen" ist.)
Das sonderbarste und beeindruckenste Erlebnis hatte ich, als ich als letzter der
Gruppe aus dem Flugzeug stieg, und dieses gerade in eine größere Wolke flog:
normalerweise sieht man zumindest irgendetwas vom Boden als Bezugspunkt;
aber hier stieg ich in eine weiße Suppe, ins bodenlose Nichts ...
Ich machte später auch eine Ausbildung mit dem Hängegleiter, konnte sie
aber aufgrund mehrmaliger widriger Wetterumstände und anschließendem
Wohnsitzwechsel in ein anderes Land nicht beenden.
Zumindest lernte ich diesmal etwas über praktische Wetterkunde,
und hatte mehrmals das herrliche Gefühl, wie ein Vogel durch die Luft
zu gleiten.
Die problemreichsten Bereiche sind hierbei der Start (gut wegzukommen, was
eine Fehleinschätzung des Windes kann zu Abstürzen führen),
und eine gute Landung im ausgewählten Zielbereich (ohne auf Hindernisse wie Drähte
zu stoßen oder die stabile Gleitlage durch Windböen und Luftwirbel zu
verlieren).