Es war einmal eine Mutter, die mit ihrer Tochter gemeinsam in einem Haus lebte. Die Tochter war hübsch und gebildet. Doch sie durfte nicht immer das, was sie sich wünschte. Die Mutter war sehr streng. Die Tochter, Marie war ihr Name, musste sich immer um den Haushalt kümmern. Sie musste kochen und waschen. Die Mutter ging tagsüber auf den Markt um Obst und Gemüse aus dem Garten zu verkaufen. Abends ging sie heim um zu sehen, was ihre Tochter den ganzen Tag arbeitete. Marie versuchte es ihrer Mutter recht zu machen. Doch die hatte nur zu meckern. Marie sagte nichts zu ihrer Mutter, wie sehr es sie kränkte. Jeden Abend weinte sie heimlich in ihrem Bett. Bis sie dann irgendwann einschlief. So war es auch an jenem Abend. Sie weinte, bis sie einschlief. Doch diesmal war es anders. Kurz nachdem Marie eingeschlafen war, kam eine Elfe in ihr Zimmer geflogen. "Marie! Marie!", flüsterte die Elfe. "Wach auf, Marie! Ich möchte dir etwas zeigen." Marie öffnete langsam ihre Augen. "Was?", fragte sie verschlafen. "Wer spricht denn da?" "Ich bin's. Die Elfe Jarome. Wach auf Marie, ich möchte dir etwas zeigen." Marie stand auf. Sie hatte gar keine Angst. Um die Mutter nicht zu wecken, folgte Marie der Elfe durch das offene Fenster. Es war eine warme Sommernacht. Der Mond stand voll und mächtig am Sternenhimmel. Die Elfe flog Marie voraus. Es war nicht schwer ihr zu folgen. Nach einer Weile waren sie am Waldesrand. Marie hatte den Wald zuvor noch nie im Dunkeln gesehen. Etwas mulmig war ihr dann doch zu Mute. "Wo bringst du mich hin, Jarome?", wollte Marie wissen. "Folge mir nur.", antwortete Jarome. Marie folgte ihr. Sie gingen tief in den Wald hinein. Der Mond blitzelte immer wieder durch die Bäume hindurch. Auf einmal sah Marie ein helles warmes Licht vor sich. Sie konnte noch nicht sagen, wo es genau herkam und was es war. Sie sah es nur durch die Bäume strahlen. Je näher sie an das Licht kamen, um so heller und wärmer wurde es.
Da kamen sie auf eine Lichtung. Mitten in der Lichtung war eine große Lichtkugel zu sehen.
Marie blieb stehen. Sie war von dem Licht fasziniert. Langsam ging sie darauf zu. Die Elfe stand neben ihr. "Geh Marie. Geh zu dem Licht," sagte Jarome. Marie ging. Sie spürte ein merkwürdiges Gefühl. Sie war glücklich. Sie fühlte sich stark. Sie ging immer näher an das Licht. Die Gefühle wurden immer intensiver. Sie war ganz nah am Licht. Sie versuchte es zu fassen. Doch das gelang nicht. Das Licht rückte immer ein Stück weiter, wenn sie einen Schritt näher kam. Da sprach auf einmal die Elfe zu ihr: "Marie, wir gehen wieder zurück. Du kannst jetzt das Licht noch nicht fassen. Behalte die Stärke in dir, die du jetzt fühlst. Du wirst sie brauchen."
Da wachte Marie auf einmal auf. Hatte sie geträumt? Die Elfe, die Lichtung, das wunderschöne Licht? Es kann doch kein Traum gewesen zu sein. "Marie!" schrie ihre Mutter. Sie stand auf. Es war ein warmer Sommermorgen. "Marie, kannst du jetzt endlich aufstehen? Die Wäsche muss gewaschen werden. Außerdem möchte ich jetzt endlich frühstücken." Damit kam die Mutter ins Zimmer. Marie stand auf und reckte sich erst einmal. Sie spürte dieses starke Gefühl. "Ja Mutter, ich komme schon. Wieso bist du so gemein zu mir?" Als Marie das sagte, erschrak sie. Es kam einfach aus ihrem Mund. Die Mutter schaute sie verdattert an. Marie fragte noch mal: "Warum bist du so gemein zu mir?". Die Mutter reagierte nicht darauf. "Geh und mach mir Frühstück." Sie ging aus dem Zimmer. Marie fühlte sich gut. Sie war erstaunt darüber, was sie zu ihrer Mutter gesagt hatte. Dann ging sie runter und machte das Frühstück. Die Mutter sagte nichts zu ihr. Nach dem Frühstück ging sie zum Markt. "Wenn ich nach Hause komme, möchte ich gerne essen. Die Wäsche muss noch gewaschen werden, im Garten muss gehackt werden, die Fenster sind auch schon lange nicht mehr geputzt worden und die Hecke muss geschnitten werden. Ich muss jetzt zum Markt. Bis heute Abend." Damit verschwand ihre Mutter. Marie fing an zu weinen. Was sollte sie nur machen? "Denk an das Licht," flüsterte auf einmal eine Stimme. Marie sah sich um, doch da war niemand. Marie kam der Traum in Erinnerung. Sie fühlte sich wieder stark. Sie wollte zu dem Licht. Also rannte Marie in den Wald zu der Lichtung. Dort angekommen sah sie nur eine ganz normale Lichtung. Es war kein Licht da. Marie war enttäuscht. Sie ging zum Haus zurück. Sie tat alles, was ihr die Mutter aufgetragen hatte. Abends kam die Mutter wieder nach Hause. Marie war gerade mit dem Essen fertig geworden. "Der Tisch ist ja noch gar nicht gedeckt.
Marie, was hast du denn den ganzen Tag gemacht?", fragte die Mutter etwas zornig. In Marie brodelte es. Sie hätte ihre Mutter am liebsten angeschrien.
Aber sie liebte sie doch. Sie nahm allen Mut zusammen und sagte: "Ich habe alles gemacht, was du gesagt hast. Die Wäsche ist gewaschen, der Garten ist gehackt, die Fenster sind geputzt und die Hecke ist geschnitten. Und jetzt meckerst du, weil der Tisch nicht gedeckt ist. Du bist mit nichts zufrieden." "Ich war den ganzen Tag auf dem Markt und habe Obst und Gemüse verkauft. Das ist nicht einfach. Da kann ich doch mal verlangen, dass meine Tochter etwas zu Hause tut. Du würdest doch sonst nur herum sitzen," entgegnete die Mutter. Marie wurde es zuviel. Sie ging aus dem Haus. Mittlerweile war es schon dunkel geworden. Sie rannte einfach drauflos. Aufeinmal war sie wieder an der Lichtung. Das Licht war wieder da. Marie freute sich und ging auf das Licht zu. Diesmal konnte sie schon viel näher an das Licht gehen. Später ging sie gestärkt zurück. Es war schon spät. Marie vermutete, dass ihre Mutter bestimmt schon im Bett lag. Doch es brannte noch Licht. Marie zögerte ins Haus zu gehen. Sie machte langsam die Tür auf und ging hinein. "Marie, ich habe mir Sorgen gemacht. Wo warst du denn? Du kannst doch nicht einfach davonlaufen," kam ihr die Mutter entgegen. "Du hast dir Sorgen gemacht? Kennst du das überhaupt? Du kümmerst dich doch sonst nicht um Andere. Du interessierst dich nur für dein Gemüse und so. Ich bin dir doch egal. Du hältst mich ja wie eine Bedienstete. Ich muss den ganzen Haushalt führen. Muss einkaufen gehen, den Garten pflegen und alles, wozu du keine Lust hast. Ich weiß nicht, was du den ganzen Tag auf dem Markt machst, doch anscheinend ist es total anstrengend. Du hast mich noch nie mitgenommen, damit ich mal sehen kann wie es auf dem Markt ist. Ich würde gern mal hingehen. Ich möchte dich verstehen. So, ich bin müde. Gute Nacht." Marie fühlte sich stark als sie das gesagt hatte. Sie wollte ihre Mutter nicht verletzen. Doch es musste mal gesagt werden.
"Ich habe nachgedacht," sagte ihre Mutter sanft, "ich war nicht besonders lieb zu dir. Es tut mir leid.
Es ist immer so stressig auf dem Markt.
Die Leute kaufen immer weniger bei mir. Ich habe die Sorgen mit hierher gebracht und dich damit angegriffen. Es tut mir leid. Ich habe dich ganz alleine großgezogen. Ich wollte nicht, dass du merkst, wie schwer so etwas ist. Ich habe versucht, dir alles zu geben. Doch anscheinend habe ich alles falsch gemacht. Es tut mir leid. Wir sollten ab jetzt alles gemeinsam machen. Bitte sag mir, wenn ich dir helfen kann. Sag, wenn dich etwas an mir stört. Ich möchte mich bessern." Marie nahm ihre Mutter in die Arme. Sie hielten sich lange fest und weinten. Später gingen sie zu Bett. "Möchtest du morgen mit zum Markt kommen?", fragte die Mutter. Marie sah ihre Mutter erfreut an: "Aber ja doch. Ich gehe sehr gerne mit. Danke." Marie ging in ihr Zimmer und stellte sich ans Fenster. Der Mond schien hell. Marie fiel das Licht ein. Sie schlich sich aus dem Haus und ging zur Lichtung. Das Licht war da. Marie ging auf die Kugel zu. Ganz nah. Sie fasste nach ihr. Marie hielt die Kugel in den Händen. Sie war warm und voller Liebe. Dann verschwand die Kugel langsam. Das Licht wurde immer schwächer. Die Kugel immer kleiner. Dann war sie verschwunden.