Home [Alt] + [h]

Die liebenden Mandelbäumchen (Brigitte Pelke)

Eine Legende besagt, daß es vor langer, langer Zeit am Mittelmeer in Spanien viele große Plantagen gab, auf denen einzig und allein Mandelbäume wuchsen. Im Frühling bedeckten ihre Blüten das Land wie mit einem wunderschönen rosa-roten Teppich.
Zwei Sorten Mandelkerne gibt es und daher auch unterschiedliche Bäumchen, aber das weiß nicht jeder.
Einige tragen bittere und andere süße Mandeln an ihren Zweigen!
Die hartschaligen Früchte mit den begehrten Kernen darin waren überall auf der Welt sehr gefragt und wurden auf großen, stolzen Segelschiffen bis weit über das Meer, in ferne Länder gehandelt!
Die Bäumchen waren Kinder der Sonne und brauchten, um wachsen und gedeihen zu können, viel Wärme und Licht.
In Spanien war es immer warm, denn dort scheint die Sonne den ganzen Tag, bis in den späten Abend hinein. Der Himmel ist blau wie das Meer und die Bewohner des Landes freundlich und voller Lebensfreude.

Am Abend saßen die Menschen, die tagsüber auf den Plantagen arbeiteten, vor ihren Hütten beisammen und sangen Lieder ihrer Heimat, zu den Klängen von Mandolinen und Gitarren. Manche fröhliche oder sehnsuchtsvolle Weise, die von Liebe und Glück erzählte, zog durch die Nacht, bis hin zu den Reihen der Mandelbäumchen. Oft summten die Bäumchen eine besonders schöne Melodie durch leises Rascheln ihrer Blätter mit, oder sie klatschten zum Takt der lustigen Lieder ihre Zweige übermütig aneinander, so glücklich waren sie.

Hinter dem großen Gutshaus des Anwesens erstreckte sich ein ganz besonderes Feld. Hier wuchsen die kleinen und kleinsten Mandelbäumchen heran, - die jungen Baumkinder. Sie wurden von den Arbeitern, die auf wendigen braunen Pferden durch die Reihen ritten, besonders gut gepflegt und behütet.
Alle Bäumchen standen ordentlich, in gleichmäßigem Abstand nebeneinander und warteten ungeduldig darauf, endlich erwachsen zu werden. Später einmal wollten sie recht viele Früchte tragen, denn einzig und allein das war ihre Bestimmung und der Sinn ihres Daseins, - so glaubten sie es jedenfalls!

Unter den vielen Bäumchen standen zwei, die waren besonders ebenmäßig und gerade gewachsen. Die beiden standen schon nebeneinander, als sie noch winzige Stecklinge waren, lange bevor sie auf das freie Feld umgepflanzt wurden, um dort mit den Jahren ihrer Bestimmung entgegen zu sehen.
Ihre zierlichen Zweige waren gerade so lang, daß sie sich mit den Blättern berühren und streicheln konnten. Sie mochten sich gern und freuten sich über jeden kleinen Wind, der ihre Stämmchen bewegte und sie einander näher bog.
Immer, wenn der Gesang der Menschen zu ihnen herüber klang, träumten sie davon, wie herrlich es sein wird, wenn sie zum ersten Male in ihrem Leben Blüten tragen. Irgendwann im Frühling würde es sein, das wußten sie!

Die Jahre vergingen, auf warme Sommer folgten die milden Winter des Südens. Die Bäumchen wuchsen, wurden größer und stärker! Sie erwarteten das Wunder ihrer allerersten Blüte und... endlich war es auch so weit. In diesem Jahr würden sie blühen!
Als der Frühling nahte, bildeten sich an ihren Zweigen die ersten zarten Knospen, noch gut geschützt von einer festen Außenhaut.
Eines der beiden Bäumchen war etwas kleiner als das andere und sein Stämmchen schlanker. Das zierliche und anmutige Bäumchen hieß "Sarissa", und sie würde bald viele süße Mandelkerne an ihren Zweigen tragen. Ach, sie konnte es kaum erwarten bis es endlich so weit war, so sehr freute sie sich darauf.
Die Freundschaft der beiden Mandelbäumchen bestand nun schon viele Jahre und noch niemals hatten sie miteinander gestritten. Sie beobachteten gespannt, wie ihre Knospen prall und dick wurden und eines Tages, befreit von ihrer schützenden Umhüllung, aufbrachen, sodaß die ersten winzigen Blütenblätter hervor lugen konnten.
Sarissas Blüten schimmerten in zarten rosa-roten Farben, während die ihres Freundes mehr dunkel, rost-rot leuchteten.
Sarissa war so stolz und glücklich, über ihre wundervollen Blüten, daß sie gar nicht bemerkte, wie seltsam still ihr bester Freund auf einmal wurde.
Etwas stimmte nicht mit ihm!

Seine Zweige bewegten sich nicht mehr zu ihr hin und kein einziges Rascheln oder leises Raunen seiner Blätter sprach zu Sarissa. Und so blieb es von nun an für immer, daran änderte sich nichts mehr! Ihre Freundschaft war zu Ende und damit die Vertrautheit vieler Jahre, als hätte es sie niemals gegeben!
Das arme Bäumchen begriff nicht, wie das geschehen konnte. Manchmal, wenn der Wind wehte, schlugen die Zweige ihres Freundes zornig auf Sarissas zarte Blüten ein, bis sie abbrachen und zur Erde fielen. Auf dem Boden unter ihr lag bereits ein Teppich rosa-roter Blüten, die alle von ihren Zweigen stammten und nun welkten und vertrockneten.
Das Mandelbäumchen war traurig und verzweifelt, es verstand nicht, warum der Freund so häßlich zu ihr war, ohne den Grund dafür zu nennen, - ohne eine einzige Erklärung!

Vor lauter Kummer rollten sich ihre grünen, weidenartig spitzen Blätter zusammen und es verlor auch noch die wenigen restlichen Blüten, auf die es so stolz war und viele Jahre voller Sehnsucht gewartet hatte. All' ihre Schönheit war dahin, keine einzige Mandel würde jemals an diesen kahlen Zweigen reifen, die in der heißen südlichen Sonne verdorrten.
Sarissa verspürte tief in ihrem Stamm einen heftigen Schmerz, der tat so furchtbar weh.... sie hatte großen Liebeskummer!
Dicke Harztropfen, die Tränen der Bäume, quollen aus ihren zierlichen Ästen. Sie fühlte sich so hilflos, wie noch nie zuvor in ihrem jungen Leben und wurde immer mutloser!
Eines Tages kamen Reiter und ritten auf ihren kleinen, braunen Pferden durch die Reihen der Mandelbäume. Sie sortierten die Kranken und Schwachen unter ihnen aus, - auch Sarissa war darunter! Ihr Freund hatte nicht ein Raunen des Mitleids für sie und keiner seiner Zweige hielt sie fest.
Mitsamt seinen Wurzeln wurde das Bäumchen aus dem Boden gerissen und am Abend mit den andren Leidensgenossen auf einem Pferdewagen abtransportiert. Man warf sie in die dunkelste Ecke der Plantage, wo nie jemals ein Sonnenstrahl hinkam.

Alles hatte es verloren, - es war vorbei! Das Bäumchen gab sich auf und lauschte wehmütig in die Nacht, wo aus der Ferne die Musik der Menschen herüber klang...
"Hallo Sarissa, hörst du mich?
Schau mal, ich liege ganz nah neben dir!"
Wer war das ? Wer sprach da zu ihr?
Und die Stimme sprach weiter: "Mich hat man heute auch aus dem Boden gerissen,.. komm, wir müssen kämpfen, um zu leben. Manchmal kommen Bewohner aus dem Dorf und nehmen einige von uns mit, um ihre Gärten vor den Häusern zu bepflanzen, das wurde ihnen erlaubt! Es sind arme Leute, die nicht viel besitzen und dankbar sind, uns mitnehmen zu dürfen.
Streng dich an Sarissa und laß den Saft in deinen Ästen noch einmal in die Zweige fließen, damit sie wieder grünen können!
Ich habe dich schon lange beobachtet, aber du hast mich nicht bemerkt, weil du nur Augen für deinen Freund neben dir hattest.
Ich hab' dich gern Sarissa,... und gemeinsam können wir es schaffen.
Gib nicht auf - und ich verspreche dir, dein Leben wird wieder schön,... wir sind doch noch so jung! Du mußt nur ganz fest daran glauben, - vertrau' mir!
Ach ja, - man nennt mich 'Monty'!"

Sarissa hörte die eindringlichen Worte und sie drangen durch das Holz ihres Körpers, bis zum Herzen im Inneren des Stammes.
Ja, eigentlich war es dumm von ihr gewesen, wegen eines ungetreuen Freundes, der ihrer Zuneigung nicht wert war, so traurig zu sein.
Das erkannte sie nun und faßte wieder etwas Mut! Hoffentlich war es nicht schon zu spät dafür,... hoffentlich!

Als der neue Tag anbrach, wuchsen an ihren Zweigen sechs neue, hellgrüne Blättchen zwischen all' den anderen, die schon vertrocknet waren.
Jetzt konnte sie auch das Mandelbäumchen neben sich auf dem Boden fühlen, das letzte Nacht so lieb zu ihr gesprochen hatte. Es lag da, so wie sie! Seine vielen grünen Blätter an den Zweigen glänzten im Tageslicht, aber es trug nicht eine einzige Blüte dazwischen. Das war eigenartig!
Es war Monty, der ganz dicht neben ihr lag und mit seinen Ästen und Wurzeln die ihrigen fest umklammert hielt.
Er war ein wenig älter als Sarissa und hatte noch niemals ein Blütenkleid getragen!
Jahr für Jahr, wenn der Frühling kam, wartete er darauf vergeblich und niemand wußte, warum das so war! Für ihn jedoch bedeutete es ein großes Unglück, denn an Bäumen, die keine Blüten tragen, wachsen auch keine Mandeln und solche durften nicht auf der Plantage bleiben,... so war das nun einmal!

Als es Abend wurde, hörten sie von Weitem das Holpern eines alten Handkarrens und dazu fröhliche Stimmen, die lauter wurden und näher kamen.
Sie lauschten voller Hoffnung und Bangen!
Es war ein junges Paar, das noch nicht sehr lange miteinander verheiratet war und sich eines der Mandelbäumchen holten wollte, die der Besitzer der Plantage für minderwertig hielt. In dem kleinen Garten vor ihrem Haus war noch ein schönes sonniges Plätzchen frei - und genau dort sollte es stehen, als Erinnerung an den schönsten Tag ihres Lebens, - ihren Hochzeitstag!
Die junge Frau zeigte auf Monty, der mit seinem vollen, grünen Laub gesund und kräftig aussah.
Er lag gleich vorn auf dem Stapel, neben einem kleinen Bäumchen, an dem nur noch wenige Blätter grünten und das ansonsten ziemlich unansehnlich und verdorrt schien.
Die jungen Leute zogen und zerrten an Montys Ästen und Zweigen, aber so sehr sie sich auch abmühten, es war unmöglich die beiden Bäumchen voneinander zu trennen. Ihre Zweige und Wurzeln schienen unentwirrbar miteinander verbunden!
Als sie merkten, daß es unmöglich war, die beiden Bäumchen auseinander zu bekommen, luden sie einfach beide, so wie sie waren, auf ihren Karren. Die Wurzeln und Zweige wollten sie am andren Tag mit Hilfe einer Axt voneinander lösen.

Monty und Sarissa lagen im Garten auf dem weichen Boden und er hielt sie immer noch fest umfangen. Die milde Abendluft streichelte ihre Zweige und von der Ferne herüber hörte man die Menschen reden und lachen.
Alles hätte so schön sein können, aber ihr ungewisses Schicksal machte ihnen Angst. Was würde morgen mit ihnen geschehen?
"Sarissa, nimm deine ganze Kraft noch ein einziges Mal zusammen! Treib den Saft in deine Zweige, gib dich nicht auf! Wir werden beide leben, du mußt nur darum kämpfen! Versuch' es, ich bleibe bei dir und werde dich niemals verlassen, denn du bedeutest mir sehr viel."
Das Mandelbäumchen hörte die Worte seines neuen Freundes, aber es fühlte sich sehr schwach und Zweifel kamen ihm, an seiner Aufrichtigkeit. Was würde sein, wenn auch er sie irgendwann einmal nicht mehr gern hatte? Konnte sie ihm glauben? Konnte sie überhaupt noch etwas glauben?
Sarissa hatte nur wenig Vertrauen! Die erste große Enttäuschung in ihrem jungen Leben war hart für sie gewesen!
War er nun ein wirklicher Freund, oder war er so wie der andere? Sie wußte es nicht und war ratlos! Ein kleiner Schluchzer kam aus dem Inneren ihres Stammes und eine harzige Träne trat heraus, die an der Luft zu einem goldenen Bernsteintropfen erstarrte.

Am andren Morgen gingen die jungen Leute zur Kirche in den Ort hinunter, wie es seit Generationen üblich ist.
Vielleicht war es Zufall, daß der Pfarrer gerade an diesem Sonntag eine wunderschöne und eindrucksvolle Predigt hielt... oder ein gnädig gestimmtes Schicksal?
Er sprach über die Schöpfung der Natur und der Liebe Gottes zu allen seinen Kindern. Auch der Blumen, Bäume und Pflanzen, die ebenfalls ein Teil der Gemeinschaft allen Lebens sind und dazu gehören!
Jedes Leben auf der Erde erfüllt mit seinem Vorhandensein eine ganz bestimmte wichtige Aufgabe zum Wohlergehen der Gemeinschaft aller,... so hieß es!
Ja, es war schon seltsam, daß gerade heute von solchen Dingen im Gottesdienst gepredigt wurde.

Am Nachmittag war es so weit, das Mandelbäumchen mit den schönen grünen Blättern sollte eingepflanzt werden.
Sarissas Zweige zitterten leicht vor Angst!
Der junge Mann trug den Spaten und die Axt in der Hand und seine Frau einen hölzernen Trog mit Wasser. Doch wie sehr staunten beide, als sie zu den zwei Bäumchen im Garten kamen und sie ansahen.
Wie am Abend vorher lagen diese noch an derselben Stelle auf dem Boden, aber das kleine, schon fast vertrocknete Bäumchen trieb unzählige, neue grüne Blätter an den Zweigen. Sie waren so winzig klein, daß man sie kaum erkennen konnte, aber sie glänzten in einem saftigen, frischen Grün.
Wenn es Wunder gibt, dann war hier eins geschehen!
Die junge Frau dachte an die heutige Sonntagspredigt des Pfarrers und ihr Blick fiel auf die Axt die am Boden lag. Sie schaute ihren Mann an und meinte nachdenklich,... "die Mandelbäumchen halten sich umschlungen, als wären sie ein Liebespaar",.. denn es war unmöglich, sie ohne große Wunden und Verletzungen voneinander zu trennen.

Kurzentschlossen schaufelte der junge Mann eine so tiefe Grube im Garten, daß die Wurzeln beider Bäume darin Platz hatten. Er brachte es nicht übers Herz, sie mit der Axt zu verletzen.
Die jungen Leute gossen viele Tröge Wasser auf ihre durstigen Wurzeln und schlossen die Grube mit guter, humusreicher Erde. Von nun an standen die beiden Bäumchen eng beisammen in dem schönen, sonnigen Garten vor der Hütte. Von Menschenhand war nun alles für ihre Rettung getan, das weitere mußten sie selber dazu tun!

Sarissa wollte es schaffen und mit ihrem Wunsch nach Leben im nächsten Jahr wieder Blüten tragen!
Die Zeit verging und mit jedem neuen Tag wurde Sarissa kräftiger. Monty half ihr so gut er konnte, stützte sie und hielt sie fest mit seinen Ästen und Zweigen umfangen, damit kein Wind sie biegen konnte und ihre Wurzeln festen Halt im Erdreich fanden.
Ihre Äste bekamen neue Zweige, ebenso wie Montys Äste neue Zweige bekamen, die immer mehr einander entgegen wuchsen und miteinander verflochten. Gleiches geschah mit ihren Wurzeln unter der Erde!
Die beiden Mandelbäumchen hatten sich furchtbar gern, aber keiner traute sich, es dem anderen zu erzählen. Bis Monty eines Tages allen Mut zusammen nahm und Sarissa sagte, wie lieb er sie hatte,... sogar sehr lieb! So lieb, wie nichts anderes auf der Welt!
Sarissa fühlte genauso, aber sie dachte noch immer daran, wie tief sie einst enttäuscht wurde und wie sehr sie dadurch gelitten hatte. Andererseits,... gäbe es Monty nicht, wer weiß, was mit ihr geschehen wäre! Sie hatte große Angst davor, ihm ihr Herz zu öffnen und wurde selber ganz traurig darüber!

Monty merkte, wie sehr sich Sarissa quälte, er streichelte ihre Zweige und tröstete sie:
"Du brauchst keine Angst zu haben Sarissa, was dir geschah, wird sich nicht wiederholen. Du bist ein Baum, der süße Mandeln tragen wird und ich bin es auch,... falls ich jemals in meinem Leben blühen werde. Wie du weißt blieb mir dieses Glück bisher versagt, aber ich bin mit meinem Leben zufrieden, wenn du nur bei mir bist! Mehr wünsche ich mir nicht! Dein Freund auf der Plantage war ein Baum, der bittere Mandeln trug! Ihr paßtet nicht zusammen, was er sofort an der Farbe eurer Blüten erkannte und dich deshalb verließ.
Ihr ward nicht füreinander bestimmt!"
Während Monty sprach, streckten sich Sarissas Zweige und kamen den seinen langsam entgegen. So einfach war das also?
Das kleine Herz tief im Inneren ihres Stämmchens pochte vor Glück und sie sagte ihm alles, worauf er so lange gewartet hatte. Ihre Blätter raunten einander tausend liebe und schöne Worte zu, und der leichte Wind des Südens half ihnen dabei, sich zu umarmen, indem er ihre Zweige sanft zueinander hin bewegte.

Das Jahr verging, es kam der Herbst, der milde Winter ging vorbei und ein neuer Frühling kündigte sich an! Die Tage wurden länger und die Sonnenstrahlen wärmer...
Eines Morgens bemerkte Sarissa an ihren Zweigen die ersten winzigen Anzeichen dafür, daß sie bald Knospen tragen würde. Was geschah, wenn Monty auch in diesem Jahr kein Blütenkleid bekäme? Sie mochte gar nicht daran dnken!
Verstohlen schaute sie auf seine Zweige und... traute ihren Augen nicht! Sie wollte nicht glauben, was sie sah, und dennoch war es Wirklichkeit!
Auch bei Monty zeigten sich die ersten rauhen Unebenheiten an den sonst so glatten Zweigen. Ohne Zweifel waren sie, die Vorboten sich bildender Knospen, deutlich zu erkennen. Nun hatte sein Warten und Sehnen ein Ende, - in diesem jahr würde er endlich blühen!

Ihr Glück war unbeschreiblich und jeden Morgen betrachteten sie sich gegenseitig, voller Stolz und freudiger Erwartung auf den Beginn ihrer Blütezeit.
Mit den ersten Sonnenstrahlen brachen ihre Knospen auf und am Abend standen sie in voller Blüte.
Die beiden Mandelbäumchen verträumten die ganze Nacht mit ihren Erinnerungen, beschienen vom sanften Licht des Mondes. Sie sprachen von der Vergangenheit und wie alles begann.
Nur ihre Liebe zueinander hatte Unmögliches möglich gemacht. Sarissa war wieder voller Leben und Monty durch ihre Liebe erblüht... ein langes und glückliches Leben lag vor ihnen!

Die Jahre vergingen und das junge Paar, in deren Garten sie standen, bekam viele Kinder, - und diese auch wieder Kinder. So ging es fort über viele Generationen, und jedes Jahr im Frühling trugen die Bäumchen ihr prächtiges Blütenkleid. Wenn der Herbst kam, hingen ihre Zweige voller süßer Mandelkerne, und ihre Besitzer freuten sich über die gute reichliche Ernte.
Sarissa und Monty mochten sich so gern wie am ersten Tag, ihre Äste wurden mit den Jahren knorrig und ihre Rinde borkig. Sie waren nun schon sehr, sehr alt und im Frühling trugen ihre Zweige nur noch wenige Blüten.
Als sie fühlten, daß ihre Zeit gekommen war, die Erde zu verlassen, hatten sie nur einen Wunsch, sie wollten in der nächsten Welt für immer zusammen sein und sich nicht trennen müssen. So eine große Liebe, wie die ihrige, konnte gar nicht sterben.

Nun leben sie im Traumwald weiter, bis in alle Ewigkeit vereint. Das ganze Jahr über tragen sie ihr wunderschönes Blütenkleid,... das Hochzeitskleid der Mandelbäumchen...
Denn wer das Leben liebt, wird niemals alt!

© Brigitte Pelke

Home [Alt] + [h]