Es war einmal ein kleines Häuschen, welches am Rande eines kleinen Waldes lag. Es wurde von zwei verwaisten Schwestern, Kosannze und Lielegris bewohnt.
Eines Tages, als Lielegris, die Jüngere, Äpfel pflücken wollte, erschien eine gute Fee. Lielegris rief Kosannze, welche schnell herbeilief.
Die gute Fee erzählte ihnen von einem Prinzen, welcher sehr einsam war und sich sehr nach einer Gemahlin sehnte. Dann sagte die gute Fee: "Ich gewähre euch beiden einmal meine Kleider auszuleihen, damit der seinsame Prinz im Schloss eine von euch beiden zu seiner Frau wählt."
Sie verwandelte sich in einen Baum mit zwei Ästen. Auf dem ersten Ast hing ein weißes Kleid mit silbernen Ornamenten und diamantene Schuhe. Am zweiten Ast hingegen hing ein altes, graues, lumpiges Kleid und schäbige Schuhe.
Kosannze nahm sich das schöne Kleid und überließ ihrer Schwester Lielegris das Schmutzige.
Angekleidet betraten die beiden Schwestern den Thronsaal des einsamen Prinzen. Kosannze trat vor und machte stolz einen Knicks. Sie blickte dem Prinzen tief in die Augen und flatterte mit ihren Augenlidern.
Dann machte auch Lielegris einen Knicks, jedoch senkte sie vor Scham über ihr Kleid ihren Kopf.
Der Prinz erhob sich erfreut und verkündete: "Heute nacht, wenn die Glocke zum zwölften Male erklingt, soll verkündet werden, welche von euch beiden ich zu meiner Gemahlin mache."
An diesem Abend warteten alle Menschen auf die Worte des Prinzen. Pünktlich zum zwölften Glockenschlag rief der Prinz: "Das Mädchen Lielegris soll die zukünftige Königin werden!"
Lielegris freute sich sehr, jedoch entflammte sich in Kosannzes Herz großer Zorn.
Am Tag der Vermählung stieß Kosannze ihre Schwester in den leeren Brunnen hinter ihrem Häuschen. Sie selbst jedoch bat den Baum ihr Kleider zu schenken, in denen sie aussähe wie ihre Schwester Lielegris.
Die gute Fee zauberte ihr ein goldenes Kleid mit Rubinen und Smaragden bestickt, einen langen silbernen Schleier und Schuhe aus Diamant herbei.
Die Hochzeit des Prinzen mit seiner Gemahlin war prunkvoll und wunderbar. Als jedoch die Königin die Kutsche betrat, sah der Prinz die Diamantschuhe. Sofort nahm er ihr den Schleier ab und erkannte, dass die Falsche in dem Kleid steckte.
Kosannze gestand ihre Tat und Lielegris wurde befreit.
Der Prinz heiratete Lielegris und begnadigte Kosannze. Sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.