Es war wieder Weihnachtszeit, die Zeit in der es zu Hause immer so gemütlich ist.
Hunderte von bunten, elektrischen Lichtern leuchteten im Wohnzimmer. "Schade, daß nicht jetzt auch ein paar große Ferien sind oder wenigstens Hausaufgabenfrei", dachte ich.
"Na, ja - man hat wenigstens die Wochenenden." Wir lungern auf der Couch rum, naschen und sehen uns Weihnachtsfilme an. Unsere Mutter spielt Blockflöte oder Altflöte. Wir sollen dann singen. Nur unser kleinster Bruder hat dazu Lust und nervt uns.
Wir schlafen an den Wochenenden auch im Wohnzimmer. Eine Lichterkette am Tannenbaum macht sogar Musik. Da kann man besser einschlafen und träumen. An der Wand leuchtet ein goldener Stern.
Das war letztes Jahr am zweiten Advent das Letzte, was ich vor dem Einschlafen sah. Ich heiße übrigens Marcel und bin jetzt 12 Jahre alt. Eigentlich möchte ich nie wieder in die Schule, weil dort immer Kloppen sind. Unter dem schönen goldenen Stern zu schlafen ist tausendmal schöner. "Gähn' und weg und ab ins Reich der Träume".
Um Mitternacht, wenn das Spielzeug lebendig wird, fängt auch unser Stern an, sich zu bewegen. Er löst sich von seinem Haken an der Wand und läßt sogar das Stromkabel zurück.
Er schwebt durchs ganze Wohnzimmer und in die Küche, und schaut kurz ins Schlafzimmer. Im Kinderzimmer gefällt es ihm viel besser. Was es da auch alles zu sehen gibt. Alle Puppen und Stofftiere tanzen in den drei Kinderbetten herum. Und das Tollste, die Playmobilfiguren leben auch. - Gut, daß ich die Ritterburg noch mal richtig zusammengebaut habe. Die Ritter feiern ein Fest. Es gibt Bier, Schnaps und jede Menge zu Essen. Ein großes Turnier ist in vollem Gange.
Gerade in diesem Augenblick kommt die Weihnachtsfee aus dem Feenland über unser Haus geflogen. Als sie durchs Fenster schaut, sieht sie den goldenen Stern und das viele lebendige Spielzeug.
Das gefällt ihr so gut, daß sie gleich durchs Schlüsselloch kommt und mitfeiern will. Draußen ist es sowieso zu kalt. Sie schrumpft sich erst einmal auf Playmobilfigurengröße und geht in den Burghof. Der goldene Ritter gibt ihr einen Schnaps zum Aufwärmen. So fühlt sie sich gleich viel besser fängt sofort an zu zaubern.
Die vielen kleinen Nußknacker und Engel, die am Tannenbaum hängen, zaubert sie in den Burghof. Die Nußknacker machen eine tolle Parade. Die Engel schweben über der Burgmauer und glitzern und glitzern wie tausend Sterne. Wir Kinder haben unsere Wunschzettel auf den Tisch gelegt.
Die Weihnachtsfee liest:
"Spielzeug haben wir genug. Wir brauchen ein größeres Kinderzimmer, damit wir unser Spielzeug besser aufbauen können."
Also nimmt die Fee ihre Zauberfarbe und verspritzt sie im ganzen Kinderzimmer. Sofort schrumpfen alle Sachen auf Playmobilgröße. Wenn jedes Kind ein eigenes, großes Kinderzimmer für sich alleine haben wollte, würde die Welt zu klein. Deshalb ist die Lösung mit dem Schrumpfen ganz gut. Um ein Uhr in der Nacht muß die Zauberfee weiterziehen, um die anderen Kinder zu erfreuen.
Gerade als sie durch die Tür schwebt, werden meine Brüder und ich wach. Die Fee wünscht uns noch "Frohe Weihnachten" und verschwindet.
Neugierig geworden, gehen wir ins Kinderzimmer. Auf einmal durchzuckt es uns wie ein Blitz, und wir haben Playmobilgröße. So riesig war unser Kinderzimmer noch nie. Die ganze Nacht rennen wir zwischen dem Gebauten herum.
Wir kämpfen mit den Rittern und fahren mit der Westernkutsche. Wir segeln mit dem Piratenschiff und besuchen den Zirkus, wo alle Stofftiere und Puppen als Playmobilfiguren mitspielen. In der hintersten Ecke finden wir zwischen der Playmobilschule und dem Schulbus unsere Schreibtische und die Tornister.
Alles ist geschrumpft. Der Playmobilleierkastenmann spielt uns tausend Lieder und die Piraten singen: "Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste." Da werden unsere Eltern wach. Als sie ins Kinderzimmer sehen, denken sie, sie träumen. "Wo sind die ganzen Möbel?", ruft unsere Mutter. "Bestimmt wurden wir beraubt", sagt Papa und geht todesmutig durch alle Zimmer.
Alles steht an seinem Platz, bis auf den leuchtenden Stern und die Holzfiguren am Tannenbaum. Doch das merkt Papa gar nicht. Mama ist ganz aufgeregt, sie sucht die Kinder und die Katzen: "Wo seid Ihr?" Wir kommen ihr in der Küche entgegen und im selben Augenblick haben wir wieder Normalgröße.
Wir erzählen ihr von der Weihnachtsfee und von unserem Wunschzettel und daß alles geschrumpft ist. Wir probieren das noch mehrere Male aus. Tatsächlich schrumpfen wir jedes Mal, wenn wir ins Kinderzimmer gehen. Also wollen wir in der Ritterburg weiterschlafen. Unsere Eltern schrumpfen nicht, nur die Katzen. Unsere Eltern gehen beruhigt in ihr Bett zurück.
Morgens sind wir ziemlich früh aufgewacht. Alles ist noch geschrumpft. Also baut Papa uns das Spielzeug noch richtig auf. Er baut Berge und Brücken aus Eierkartons und Gips, damit wir besser überall hinkommen.
Unsere Mutter kauft auf dem Trödel noch mehr Playmobilgebäude und kleine Betten usw. Das ist eine wochenlange Arbeit. Schade, daß wir immer noch zur Schule müssen.
Doch dann sind endlich Ferien. Und endlich ist Heiligabend und alles ist fertig. So ein tolles Weihnachtsfest hatten wir in unserem ganzen Leben noch nie. Bestimmt hat auch kein anderes Kind so etwas Tolles.
Die Verwandten kommen, keiner von uns geht ins Kinderzimmer. Wir verraten denen nichts. Am Tag nach Weihnachten treffen wir draußen unsere Freunde. Jeder erzählt von seinen Geschenken. Wir sagen immer nur: "Och, das ist ja nichts Besonderes." Keiner weiß, was wir meinen. Sie denken schon, daß wir Angeber sind und irgend etwas ganz Teures bekommen haben.
Doch dann laden wir sie in unser Kinderzimmer ein. Kaum sind sie drin, sind sie auch schon geschrumpft. So herrlich haben wir in unserem ganzen Leben noch nie gespielt. Jetzt wissen unsere Freunde, warum ihre Geschenke nichts Besonderes sind. Wir spielen und spielen, toben und klettern. Es wird Abend. Das Telefon klingelt dauernd. Sämtliche Eltern wollen ihre Kinder wiederhaben. Alle wollen hier schlafen. Zum Glück dürfen sie auch.
Wir toben also den ganzen Rest der Ferien zwischen unserem Playmobil herum. Inzwischen ist wieder Schule. Kaum haben alle die Hausaufgaben fertig, kommen sie zu uns. Damit wir genug frische Luft kriegen, öffnet meine Mutter das Fenster bis hinten hin. Papa hat vorsichtshalber ein großes Fliegengitter davor gemacht. Sonst werden wir noch von Riesenfliegen angegriffen oder Elstern kommen rein und klauen uns. Bei einem Urlaub an der Ostsee haben Elstern wirklich Playmobilfiguren geklaut.
Wenn Ihr mal in unserer Nähe seid, kommt uns doch besuchen. Wir wünschen jedem Kind auf der Welt so ein Kinderzimmer oder wenigstens eins in jeder Straße. Ihr dürft aber keinem Erwachsenen etwas davon verraten, sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung.